Gerade als Therapeut*in ist es sehr wichtig, sich abgrenzen zu können, um nicht in ein Burnout zu rutschen.

3 gute Gründe, warum Du Dich als Therapeut*in abgrenzen können solltest

Wahrscheinlich hast Du diesen Satz schon zigmal gehört: Nur, wer gut für sich selbst sorgt, kann auch gut für andere da sein.

Und vielleicht hängt Dir dieser Satz auch schon zum Halse raus…

Dennoch macht dies den Satz nicht weniger wahr.

Und auch, wenn wir – gerade als Psychotherapeut*innen – dies wissen, fällt es uns dennoch schwer dies umzusetzen.

Ich spreche da aus leidvoller persönlicher Erfahrung.

Vielleicht kennst du meine persönliche Geschichte, die ich an der einen oder anderen Stelle bereits erwähnt habe – vielleicht aber auch nicht.

Daher sei sie hier noch einmal kurz erwähnt.

Mir fiel es sehr schwer, mich von den leidvollen Geschichten meiner Klient*innen abzugrenzen, so dass ich mich in Gedanken viel mit diesem traumatischen Grauen beschäftigte.

Hinzu kam, dass ich das Gefühl hatte, ganz besonders für meine Klient*innen da sein zu müssen.

Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, auch nach anderen Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen, sondern ich schaufelte mir jederzeit Zeit frei, um für meine Klient*innen auch in Krisensituationen immer zur Stelle zu sein.

Und Krisensituationen gibt es bei schwerem Trauma eigentlich immer…

So wurde ich immer erschöpfter und hatte gar keine Kraft mehr, um meine Arbeit zu bewältigen.

Ich musste mir selbst eine Grenze setzen: Stopp! Bis hierhin und nicht weiter!

Zum Glück konnte ich nach einer relativen kurzen Auszeit meine geliebte Arbeit wieder aufnehmen.

Es war gerade noch rechtzeitig genug, um nicht an einem schweren Burnout zu erkranken.

Dennoch musste ich sehr aufpassen, nicht immer wieder in ein Burnout hineinzurutschen.

Auch bei vielen Kolleg*innen konnte ich dieses Phänomen beobachten.

Häufig führte das zu langen Ausfallzeiten für die Klient*innen, die dann von einem Tag auf den anderen ohne therapeutische Begleitung  da standen.

Manchmal wurde die Therapie auch von den Kolleg*innen ganz abgebrochen, da sie einfach nicht mehr konnten.

Es ist leicht, sich vorzustellen, was das für die betroffenen Klient*innen bedeutete…

Wer sich gut abgrenzt, sorgt gut für sich.
Selbstfürsorge kann Spaß machen

Wozu eine gute Selbstfürsorge wichtig ist

Während wir unsere Klient*innen gut darin unterstützen, sich immer besser abzugrenzen, „vergessen“ wir völlig, es selbst zu tun.

Dabei übersehen wir, dass wir unsere Klient*innen nur dann gut begleiten können, wenn wir eine gute Abgrenzungsfähigkeit besitzen und gut für uns sorgen können.

Eine gute Selbstfürsorge ist daher wichtig, um genau die Arbeit machen zu können, für die wir so brennen – ohne auszubrennen.

Und ohne, dass die Empathie auf der Strecke bleibt.

Gut für sich zu sorgen, ist auch für uns selbst wichtig, um wieder Kraft zu tanken und weiterhin (oder wieder) Freude an unserem Leben zu haben: privat und beruflich.

Es gibt uns eine innere Freiheit – fernab vom berühmten Hamsterrad, in dem sich so viele bewegen.

Mit dem Verleugnen unserer Bedürfnisse ist niemandem geholfen – weder uns selbst noch unserem Gegenüber.

Denn früher oder später bezahlen wir dafür einen hohen Preis: Burnout.

Selbstfürsorge bringt uns in eine Balance, die hingegen ein Burnout verhindert.

Das haben Deine Klient*innen von Deiner guten Abgrenzungsfähigkeit

Unser Umgang mit Grenzen kann ein Vorbild für unsere Klient*innen sein.

Oft haben sie Grenzverletzungen erlebt und es fällt ihnen daher schwer, Grenzen zu setzen.

Wenn sie aber sehen, dass wir einen gesunden Umgang mit Grenzen haben, bekommen auch sie eine Idee davon, wie das idealerweise aussehen könnte und können sich Teile davon abgucken.

Sie können mit uns in einem gesicherten Rahmen das Grenzen setzen lernen und die Erfahrung machen, dass nichts Schlimmes passiert, wenn sie sich abgrenzen.

Grenzen ziehen kann insofern auch als etwas Gutes erlebt werden.

Das Thema von Nähe und Distanz kann zum Gegenstand therapeutischer Sitzungen werden.

Wieviel Nähe oder auch Distanz ist förderlich?

Und wieviel davon ist auch nötig?

Dies gilt es, miteinander auszuhandeln.

Die therapeutische Beziehung bietet daher ein ideales Übungsfeld.

Hinzu kommt, dass, wenn wir uns selbst nicht in ein Burnout manövrieren,  wir unsere Klient*innen weiterhin empathisch begleiten können.

Lange Ausfallzeiten und Therapieabbrüche aufgrund unserer mangelnden Abgrenzungsfähigkeit bleiben aus.

Eine Win-Win-Situation!

Mit einer guten Abgrenzung gegen ein Burnout

Wenn wir hingegen permanent unsere eigenen Bedürfnisse missachten, werden wir immer unzufriedener mit uns selbst, aber auch mit anderen.

Das hat direkte Auswirkungen auf unser soziales Umfeld, sei es beruflich oder privat.

Unser Engagement, das wir vorher besaßen, schwindet langsam.

Das Ignorieren unserer zeitlichen Kapazitäten und unseres Bedürfnisses, zwischendurch unsere Batterien wieder aufzuladen, führt früher oder später direkt in ein Burnout.

Daher ist es unabdingbar, dass wir lernen, uns gut abzugrenzen und unseren eigenen Bedürfnissen mehr Raum zu geben, damit genau das nicht passiert.

Wir sollten uns auch von Gedanken wie

  • „Ich muss sie von ihrem Leid befreien!“
  • „Ich muss eine Lösung finden!“

verabschieden.

Der Druck, den wir uns dadurch machen, ist nicht zielführend.

Wir können die Probleme der Klient*innen nicht für sie lösen.

Davon abgesehen, ist es auch nicht hilfreich für unsere Klient*innen, die so keinen Schritt weitergehen können.

Wir müssen uns eingestehen, dass wir unsere Klient*innen nicht retten können – egal, wie sehr wir uns auch anstrengen und egal wie sehr wir es auch (heimlich) wollen.

Dafür können wir etwas viel Wirksameres: Unsere Klient*innen in ihrem Prozess begleiten und ihnen zur Seite stehen.

Dafür ist es notwendig, dass wir gut für uns sorgen und eben nicht vor lauter (Über-)Engagement ausbrennen.

Unserem Helfer*innen-Syndrom auf die Spur zu kommen, ist ein wichtiger Baustein in der Burnout-Prävention.

Eine gute Abgrenzungsfähigkeit ermöglicht auch einen besseren Kontakt zu sich selbst.

Mehr Achtsamkeit in Umgang mit uns selbst führt zu mehr Achtsamkeit im Kontakt mit anderen.

Was setzt Du bereits an Selbstfürsorge um?

Ich freue mich über Deinen Kommentar unter diesem Artikel.

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