Erfolgreich Grenzen setzen

Kennst Du solche Situationen? Manchmal scheint uns alles über den Kopf zu wachsen: Stress auf der Arbeit mit dem Gefühl, nicht zu wissen, was man zuerst bearbeiten soll, Überstunden, die Abendstunden so gefüllt, dass keine Zeit mehr für Freund*innen, Sport oder andere Freizeitaktivitäten bleibt, der unbeantwortete Emailberg wird immer größer… Zeit, sich abzugrenzen und eine kleine Auszeit zur Entspannung zu nehmen. Aber wie? Leichter gesagt als getan…

Wenn wir nicht gut auf unsere Grenzen achten, kann dies zu Überforderung und sogar Krankheit führen. Die gute Nachricht: Selbstbehauptung ist erlernbar…

Sicher hast Du das auch schon häufiger erlebt: Selbst schon bei den kleinen Dingen im Alltag fällt es uns schwer, mal nein zu sagen… Aus Furcht, das Gegenüber zu verletzen, die an uns gestellten Erwartungen zu enttäuschen, aus Angst vor Zurückweisung oder aber, weil wir uns selbst beweisen wollen, dass wir es schaffen… Die Gründe sind vielfältig.

Grundsätzlich ist es erst einmal nichts Schlechtes, die eigenen Grenzen auch mal zu überschreiten, denn Herausforderungen bringen uns weiter und lassen uns wachsen. Und es ist sicher auch kein Fehler, die eigenen Interessen ab und zu auch mal zurückzustellen, um anderen zu helfen und für andere da zu sein. Führt das jedoch dazu, dass wir permanent gar nicht mehr auf unsere Grenzen achten, überfordert es uns und kann uns auf lange Sicht auch in ein Burnout bringen.

Grenzen sind für jedes Individuum sehr wichtig. Sie geben Klarheit und Orientierung, aber auch Schutz und Sicherheit. Neben massiven Grenzverletzungen bei seelischer, körperlicher oder auch sexualisierter Gewalt gibt es auch eine Reihe von Grenzverletzungen mehr oder weniger subtiler Art, die viel schwieriger zu erkennen sind. Ein Freund, der uns dazu drängt, für ihn einen Gefallen zu erledigen, die Freundin, die beim Erzählen ihrer Probleme kein Ende findet oder die Oma, die enttäuscht ist, weil wir kein 3. Stück ihres selbstgebackenen Kuchens wollen…

Woran kannst Du erkennen, dass eine Grenze überschritten wurde?

Der Körper merkt als Erstes, wenn sich etwas nicht gut anfühlt und sendet Signale aus. Leider nehmen wir diese Signale oft nicht wahr oder übergehen sie. Diese Symptome können dann aber chronifizieren oder auch zu psychischen Beschwerden führen. In solchen Situationen ist es wichtig, genau hinzuschauen, wie die aktuelle Lebenssituation ist und worauf uns der Körper aufmerksam machen möchte. Wir sollten die Warnsignale unseres Körpers dann ernst zu nehmen und die eigenen Grenzen wiederherstellen.

Wer sich als Erwachsener schwer abgrenzen oder die Grenzen anderer schlecht wahren kann, hat meist schon in der Kindheit erlebt, dass seine Grenzen übergangen wurden. Wenn Kinder erfahren, dass ihnen von den Eltern klare Grenzen gesetzt und ihre eigenen Grenzen respektiert und geschützt werden, können sie ein gesundes Selbstbewusstsein mit einem guten Gespür für eigene Wünsche und Bedürfnisse entwickeln. Sie lernen, dass sie es in der Hand haben, eine Situation zu gestalten. Zu diesem Lernprozess gehört auch, sich selbst zu begrenzen und zu akzeptieren, dass die eigenen Rechte dort enden, wo die Rechte des Gegenübers beginnen.

So kannst Du ein Gespür für die eigenen Grenzen entwickeln

Die gute Nachricht: Selbst, wenn man als Kind kein gutes Gespür für die eigenen Grenzen mitbekommen hat, ist es möglich, dieses auch noch in späteren Jahren zu entwickeln. Da Mädchen früh lernen, dass sie sich nett, fügsam und verständnisvoll verhalten sollen, ist es für Frauen oft sehr viel schwieriger, eigene Bedürfnisse zu spüren, zu benennen und vor allem auch durchzusetzen. Genau um diese drei Schritte geht es in der Selbstbehauptung: benennen, was ist; sagen, was man will; so handeln, dass diese Wünsche von anderen wahrgenommen und anerkannt werden. Um zu spüren, was ist, ist es notwendig die Selbstwahrnehmung zu schulen und das Vertrauen in die eigene Intuition zu stärken. Dies erreicht Du z.B. durch bewusstes Atmen, Wahrnehmungsübungen oder auch Bewegung. Empfehlenswert ist es, sich einer WenDo-Gruppe anzuschließen, wo genau diese Dinge trainiert werden. Bei WenDo handelt es sich um ein Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungstraining, das von Frauen für Frauen entwickelt wurde.

Es gibt aber auch viele andere Methoden, um ein besseres Gespür für sich zu bekommen und sich selbst mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Je wichtiger wir uns selbst und unsere Bedürfnisse nehmen, desto leichter fällt es uns, uns abzugrenzen. Dabei können uns Methoden wie Meditation, Achtsamkeitstraining, Chi Gong, Yoga oder auch (Selbst-)Hypnose unterstützen.

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