Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum

Diesen Blogartikel habe ich meiner Kollegin Sandra Liane Braun zu verdanken, die als Coach für Stressreduktion und Burnout-Prävention auf ihrem Blog zur Blogparade eingeladen hat: Sandra Liane Braun – Raus aus dem Stress, rein ins Leben. Coach und Gedankensortiererin wenn Du sagst „Ich kann nicht mehr!“ Es sollte ein Artikel über mein schönes Leben sein, um Menschen, die sich gerade entmutigt und orientierungslos fühlen, wieder Mut zu machen. Was für eine schöne Idee, so viele Mutmach-Geschichten zusammenzutragen. Dies inspirierte mich sehr dazu, über das wunderbare Leben zu schreiben, das ich mir erschaffen habe.

Natürlich hat es auch in meinem Leben Tiefpunkte gegeben und war nicht immer so toll, wie es gerade ist. Seine Träume zu leben, erfordert erst einmal ganz schön viel Arbeit. Einen Teil dieser Arbeit habe ich mir erspart, denn ich wusste eigentlich immer, was ich will. Der Nachteil war nur, dass ich immer zu viel wollte.

Als vielseitig interessierter Mensch tanzte ich immer auf vielen Hochzeiten, ohne gut auf meine Balance zu achten. Das war schon während meines Studiums der Fall. Ich wollte auf keine der so wahnsinnig interessanten Vorlesungen verzichten und packte meinen Stundenplan so voll, wie es eben ging. Der Rest der Zeit, die ich nicht zum Schlafen verwendete, wurde mit Freizeitaktivitäten vollgestopft. Zeit für mich und zum Entspannen hatte ich eigentlich nie…  

Als ich anfing, als Sozialpädagogin zu arbeiten, bildete ich mich permanent weiter und erschloss mir so weitere Berufe, in denen ich dann nebenberuflich anfing zu arbeiten. Ich machte erst den kleinen, dann den großen Heilpraktiker*innen-Schein, machte eine Ausbildung zur Gestalttherapeutin und zwei Homöopathie-Ausbildungen. Damit nicht genug. ich besuchte ein Seminar nach dem anderen, um mich traumatherapeutisch und homöopathisch weiterzubilden und machte einige Praktika bei Homöopathen in Indien.

Mein Körper versuchte mich darauf aufmerksam zu machen, dass ich mich immer am Limit meiner Kräfte bewegte. Regelmäßige Halsrachenraumentzündungen und PMS-Symptome zwangen mich für einige Zeit ins Bett. Doch statt nach der Genesung mein Leben zu verändern und es nicht wieder so weit kommen zu lassen, machte ich weiter wie zuvor – bis zur nächsten erzwungenen Ruhephase durch Krankheit. Ich überhörte die Signale meines Körpers wieder und wieder.

Spätestens als ich anfing, immer mehr traumatherapeutisch zu arbeiten, hätte ich mir mehr Zeit zum Entspannen und „Runterkommen“ gönnen müssen, da die tägliche Beschäftigung mit dem traumatischen Leid meiner Klientinnen eine gute Selbstfürsorge zur Folge hätte müssen. Aber ich machte so weiter wie bisher…

Auch wenn meine Arbeit mit komplex traumatisierten Frauen mich sehr erfüllte und ich mit beeindruckenden Klientinnen gearbeitet habe, bin ich immer mal wieder kurz vor einem Burnout gewesen. Ich habe diese Arbeit mit großem Engagement gemacht, weil es genau die Arbeit war, die ich unbedingt machen wollte und weil meine Klientinnen mir sehr ans Herz gewachsen sind. Doch mit der Zeit nahmen mich die Trauma-Geschichten und das Leid meiner Klientinnen immer mehr mit, so dass es mir schwer fiel mal abzuschalten. Ich bin emotional zu sehr mitgeschwungen.

Außerdem habe ich mir auch nicht genügend Zeit zum Ausruhen und Entspannen genommen, um ein Gegengewicht zu schaffen. Ich habe 10 Stunden täglich in verschiedenen Jobs gearbeitet, die alle mit Trauma und Folgen von Gewalterfahrungen zu tun hatten und das mindestens 6 Tage in der Woche, oft eher 7 Tage. So blieb es nicht aus, dass ich tatsächlich kaum merklich in ein Burnout rutschte. Zum Glück begriff ich das sehr schnell, ergriff Gegenmaßnahmen und holte mir Hilfe. So konnte ich das allerschlimmste verhindern und bin relativ schnell wieder aus diesem Loch herausgekommen. Ich nahm mir vor, einiges in meinem Leben zu verändern.

An meinem Lieblingsstrand…

Als ich mich entschlossen hatte, meine Angestellten-Tätigkeit im Anti-Gewalt-Bereich zu kündigen und mich von der Teilzeit-Selbständigkeit in die volle Selbständigkeit zu wagen, verbrachte ich zur Erholung 4 Wochen am Strand in Goa in Indien. Ich merkte, dass meine Spaziergänge am Strand und überhaupt am Meer zu sein, für mich unglaublich entspannend war und ich mich schnell wieder regenerieren konnte. Hinzu kam, dass ich das subtropische Klima liebe, in dem fast immer die Sonne scheint, was ein völlig anderes Lebensgefühl für mich bedeutete. So war die Idee geboren, nach Goa zu ziehen…

Nun musste ich überlegen, wie ich das bewerkstelligen konnte, wovon ich dort leben könnte. Zu der Zeit nahm ich an vielen Online-Kongressen teil, bei denen die Speaker*innen davon sprachen, wie sie sich ein Online-Business aufgebaut hatten und praktisch von überall arbeiten konnten. So überlegte ich, wie ich meine Arbeit online weiterführen könnte. Da das Thema Burnout mich immer sehr begleitet hat und ich verschiedene Dinge gelernt habe, um es immer wieder gerade so zu umschiffen bzw. aus der ersten Phase herauszukommen, dachte ich, es wäre gut, meine Erfahrungen in einem Online-Kurs zu bündeln, um andere Burnoutgefährdete und Burnoutgeplagte zu unterstützen. Gesagt getan.

Während ich meinen Umzug nach Goa vorbereitete, nahm ich einige Coachings in Anspruch, um die Dinge zu lernen, die ich nun brauchte. Schließlich betrat ich nun Neuland… nach und nach arbeitete ich mich in für mich völlig neue Arbeitsbereiche ein und lernte die technischen Dinge, die ich zur Erstellung eines Online-Kurses benötigte. Stück für Stück wuchs mein Online-Kurs und ich musste mich der Herausforderung stellen, diesen Kurs zu vermarkten. Keine leichte Aufgabe für mich… Aber auch dies ließ sich mit geeigneter Unterstützung bewältigen.

In diesem Prozess musste ich einige Dinge neu lernen, wie z.B. es zu schaffen, eine bessere Work-Life-Balance in meinem Leben zu etablieren und nicht immer wieder in alte Muster hineinzurutschen. Deswegen habe ich angefangen, meinen Alltag so zu strukturieren, dass Meditation, Yoga und Sport ein täglicher Teil meines Alltags sind wie Zähne putzen. Als eine, die es gewöhnt ist, alles selbst zu händeln, musste ich auch lernen, dass es keine Schwäche ist, sich Hilfe und Unterstützung zu holen. Schließlich bringe ich mein Auto auch in die Werkstatt, wenn es kaputt ist und stelle dies nicht in Frage. Inzwischen kann ich das Erleichternde daran auch genießen.

Ich lebe nun das Leben meiner Träume. Ich wohne 5 Minuten vom Strand entfernt und mal abgesehen von der Monsoon-Zeit ist es hier immer heiß und sonnig – genauso, wie ich es mag. Mindestens zwei Mal in der Woche nehme ich mir Zeit für meine Strandspaziergänge bei Sonnenuntergang, die für mich den Effekt von 3 Wochen Urlaub haben und meine Batterien ganz schnell wieder aufladen. Allerdings sind diese gar nicht mehr leer… J Eine Freundin sagte zu mir mal: „Mensch Marion, Du lebst dort, wo andere Urlaub machen. Wie toll!“ Ja, sie hat recht. Es ist ein wunderbares Gefühl, dass ich jederzeit am Strand spazieren gehen oder im Meer schwimmen kann. Meinen Tag kann ich mir inzwischen selbst einteilen und ich achte nun immer darauf, dass ich auch viel Zeit für mich habe. Das ist ein vollkommen anderes Lebensgefühl… 🙂

Als ich ausgewandert bin, haben viele zu mir gesagt, dass ich sehr mutig sei. Aber das stimmt nicht. Mut bedeutet immer, dass man eine Angst überwunden hat. Ich hatte keine Angst, nach Indien umzuziehen, ganz im Gegenteil, ich konnte es kaum erwarten. Die Vorbereitungszeit von 1,5 Jahren kam mir unglaublich lang vor, auch wenn sie nötig war, um alles gut vorzubereiten. Es gibt nichts Schöneres seine Träume zu verwirklichen… Solange ich mich aber im Hamsterrad befunden hatte, wusste ich nicht einmal genau, was meine Träume überhaupt sind, denn es gab überhaupt keinen Raum dafür. So war das Burnout meine Chance, mein Leben komplett auf den Kopf zu stellen und einen radikalen Schnitt zu machen.

2 Gedanken zu „Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum“

  1. Liebe Marion,
    Du lebst in Indien 😃 Das ist bis jetzt „an mir vorbei gegangen“ 😊 Dein Schlusswort möchte ich nochmal hervorheben: Wer keine Angst vor etwas hat, braucht keinen Mut. Dann machst Du „es“ einfach. Ich hatte zum Beispiel große Angst vor der Selbständigkeit – dachte ich. Dabei war es mein großer Wunsch nach Sicherheit (Existenzangst) der/die mich mutlos machte. Ich fand immer die mutig, die diesen Schritt getan haben und habe dabei übersehen, daß sie nie Angst davor hatten. Um diese Angst zu überwinden, musste ich erst nochmal krank werden um endlich zu verstehen. Verrückt!

    Schön, dass du mitgemacht hast!

    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Liebe Sandra!
      Danke für Deinen berührenden Kommentar. Ja, das mit der Angst ist so eine Sache… Aber wenn man sie dann tatsächliches überwunden hat, ist es echt ein geiles Gefühl… Toll, dass Dir das gelungen ist.
      Liebe Grüße von
      Marion

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