So wichtig ist Selbstfuersorge

Aus der Starre in die Bewegung: Wie wichtig Selbstfürsorge ist

Gastartikel von Vera Fechtig

Ich genieße gerade die warmen Sonnenstrahlen und die frische Luft, während ich mit unserem Hund spazieren gehe. Währenddessen überlege ich mir, was ich am besten in meinem allerersten Gastartikel schreiben soll, um nicht einfach nur meine persönliche Geschichte zu erzählen, sondern wirklich Mehrwert zu liefern.

Rückblick: Zerrissen zwischen den Rollen

Meine Gedanken wandern zurück zum April des letzten Jahres. Sonst bin ich immer eine Person, die positiv nach vorne schaut und lösungsorientiert ist.

Am Geburtstag meines Mannes sitze ich jedoch heulend am Küchentisch, weil ich einfach nicht mehr kann… Die letzten vier Jahre waren für mich als Zwillingsmama und Unternehmerin sehr herausfordernd gewesen:

  • Frühchen: Unsere Zwillinge kamen zehn Wochen zu früh auf die Welt. Bereits vier Wochen zuvor war ich von einer Stunde auf die andere ins Krankenhaus geschickt worden – nicht wissend, ob die Jungs sofort per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden würden.
    Wie du dir sicherlich vorstellen kannst, war der wochenlange Aufenthalt im Krankenhaus psychisch äußerst belastend.
  • Viele OP-Termine: Bereits wenige Tage nach der Geburt und auch in den Jahren danach waren einige Operationen bei unseren Kindern notwendig.
    Oft genug mussten die Termine verschoben werden, weil einer der beiden sich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt eine Erkältung eingefangen oder Fieber hatte – nicht lebensnotwendige Operationen werden dann verständlicherweise nicht durchgeführt.
  • Zwei Business-Standbeine: Neben all den familiären Aufgaben versuchte ich gleichzeitig, meine beiden Business-Standbeine am Laufen zu halten.
    Als Grafikdesignerin konnte und kann ich nur arbeiten, wenn sich jemand anderes um die Zwillinge kümmerte – denn hier sind Fokus und Konzentration auf das jeweilige Projekt sehr wichtig.
    Zusätzlich hatte ich nach der Geburt der Zwillinge damit begonnen im Network Marketing zu arbeiten, um zusätzliches Einkommen zu generieren. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich das neben den Kindern auch gut wuppen kann.
    Doch umso mehr ich versuchte alles auf die Reihe zu bekommen, umso zerrissener fühlte ich mich innerlich. Ganz zu schweigen davon, dass ich mich selbst mehr und mehr vernachlässigte…

Endlich aufatmen können?

Ende Februar 2020 feierten wir dann sowohl den vierten Geburtstag unserer Kinder als auch, dass wir in diesem Monat endlich den letzten OP-Termin hinter uns gebracht hatten.

Ich dachte, nun wieder aufatmen zu können nach dieser langen Zeit, nicht mehr ständig den nächsten OP-Termin im Kopf haben zu müssen und den Fokus auf den Jungs zu haben, sondern endlich auch wieder einmal mehr auf mich schauen zu können.

Doch ich hütete nach der Geburtstagsfeier der Jungs erst einmal die Couch, weil mein Körper beschlossen hatte, dass ich jetzt eine Pause brauchen würde.

Somit blieben auch Aufträge liegen und es hieß Termine zu verschieben.  

Als es mir wieder besserging, wollte ich erst einmal Ordnung in das Chaos bekommen, mir eine Übersicht verschaffen und mich neu strukturieren, alle liegen gebliebenen Aufträge abarbeiten, nicht nur im, sondern auch wieder an meinem Business arbeiten, sichtbar(er) werden, die seit Juni erarbeiteten Ziele und Themen endlich umsetzen, … 

Falsch gedacht!

Am 12. März kam plötzlich eine Mail von der Gemeinde, dass nach Möglichkeit ab sofort die Kinder aufgrund der aktuellen Situation zuhause betreut werden sollten.

Nun hieß es also von einem Tag auf den anderen wieder alles umzustellen.

Glücklicherweise hatte mein Mann die Möglichkeit, Homeoffice zu machen – und so wechselten wir uns die nächsten sieben Wochen tagsüber im 3-Stunden-Rhythmus ab mit der Betreuung unserer lebhaften Jungs, die sich energietechnisch mit den Duracell-Häschen vergleichen lassen, und Arbeiten.

Erstarrt wie das Kaninchen vor der Schlange

Die Tage waren anstrengend und lange. Meine Kund*innen bekamen teilweise spät nachts noch Emails von mir. Der Schock über die Situation saß tief.

Das führte bei mir teilweise zu Verhaltensweisen, die ich bis dato so gar nicht von mir kannte. Aufgrund von Erschöpfung und Überforderung blieben Projekte liegen. Die Aufgaben türmten sich immer mehr auf vor mir.

Ich fühlte mich erstarrt wie das Kaninchen vor der Schlange. Wusste nicht wo anfangen. Lenkte mich mit anderen Dingen wie dem stundenlangen Anschauen irgendwelcher Fernseh-Serien ab.

Und statt mit meinen Kund*innen zu sprechen, ihnen meine Situation zu erläutern und gemeinsam mit ihnen neue Pläne zu machen, verkroch ich mich.

So saß ich also am Geburtstag meines Mannes elend und verheult am Küchentisch und mir wurde klar, dass es so definitiv nicht weitergehen konnte. Doch wo sollte ich anfangen?

Wie wichtig Selbstfuersorge ist

Selbstfürsorge: 4 Dinge, die mir aus der akuten Starre geholfen haben

Es ist so wichtig auf sich selbst zu achten! Das weißt du genauso gut wie ich.

Doch in manchen Situationen glauben wir, dass es uns einfach nicht möglich ist, uns selbst an erste Stelle zu setzen.

Weil wir gefühlt erst einmal die Welt retten und uns vorher noch um alle anderen kümmern müssen.

Ich möchte dir an dieser Stelle nun ein paar Dinge mitgeben, die mir persönlich geholfen haben, mich aus der akuten Starre zu lösen.

Es sind kleinere und größere Sachen und bei manchen davon denkst du dir vielleicht, dass sie doch selbstverständlich sind. Eigentlich.

Wie ich selbst erlebt habe, kann es in Anbetracht der jeweiligen Umstände sein, dass man nicht einmal mehr daran denkt.

  • Wieder in Bewegung kommen: Um wortwörtlich aus der Starre in meinem Kopf wieder in Bewegung zu kommen, habe ich begonnen mich wieder körperlich zu bewegen.
    Egal ob es ein Sportgerät ist, das du dafür nutzt, oder es dich hinaus in die Natur zieht. Ob du gehst, läufst, rennst, dich aufs Fahrrad setzt, schwimmst oder was auch immer: Hauptsache du legst los. Wenigstens für 10 Minuten. Der erste Schritt ist hier wohl der wichtigste.
    Bei mir war es damals ein Crosstrainer, den wir irgendwo in einer Ecke herumstehen hatten. Darauf powerte ich mich erst einmal eine halbe Stunde aus. Die gleichmäßige Bewegung half mir dabei, raus aus dem Gedanken-Wirrwarr zu kommen. Auch wenn ich noch nicht wusste, wie es weitergehen sollte, so stellten sich zumindest etwas Ruhe und Entspannung ein. Und so konnte ich mir überlegen, welche Schritte ich als nächstes gehen wollte.
  • Aufräumen & ordnen: Bestimmt kennst du das Sprichwort: „Wie innen, so außen.“ Wenn es in mir drinnen chaotisch ist, dann zeigt sich das – jedenfalls bei mir – auch entsprechend im Außen. Während der sieben Wochen im ersten Lockdown waren deshalb viele Dinge im Haushalt liegen geblieben. Wir funktionierten nur noch, um Kinderbetreuung und Arbeit irgendwie unter einen Hut zu bekommen.
    Doch es funktioniert ebenso umgekehrt: Wenn im Außen Ordnung geschaffen wird, so kann sich das auch aufs Innere auswirken. Und so räumte ich nach dem Sport erst einmal meinen vollgepackten Schreibtisch komplett leer und platzierte anschließend nur die Dinge wieder darauf, die ich aktuell zum Arbeiten nutzen wollte.
  • Aufgaben festhalten, priorisieren & abarbeiten: Anschließend begann ich meine Mails und Unterlagen zu sortieren und ganz unkompliziert mit Hilfe von Excel alle Aufgaben niederzuschreiben. Zuerst einmal ohne Sortierung. Es ging nur darum, alles festzuhalten, um mir über den aktuellen Stand bewusst zu werden.
    Im nächsten Schritt begann ich dann Prioritäten zu setzen. Und auch wenn es üblicherweise heißt „Eat the frog!“, also dass man mit der schwierigsten oder unangenehmsten Aufgabe starten sollte, begann ich damit die kleinen Sachen abzuarbeiten. Denn so konnte ich schnell erste Erfolge sehen und innerhalb kürzester Zeit schrumpfte meine Todo-Liste deutlich.
  • Mich wieder selbst spüren & erden: In all der Zeit war ich so sehr nach Außen orientiert gewesen, dass es mir immer schwerer fiel, mich selbst zu spüren. Das führte unter anderem auch dazu, dass ich nicht nur so viel aß, wie ich brauchte um satt zu werden. Nein, ich aß deutlich darüber hinaus. Denn wenn mein Magen übervoll war, konnte ich mich zumindest wieder etwas spüren. Da ich mich jedoch weder danach erbrach noch großartig Bewegung hatte oder Sport machte, war es kein Wunder, dass mein Gewicht Kilo um Kilo nach oben kletterte.
    Ich habe für mich einen kleinen Trick gefunden, wie ich mich ganz unkompliziert wieder besser selbst spüren und gleichzeitig auch erden kann: Barfuß spazieren gehen.
    Dabei konzentriere ich mich erst einmal auf den Weg, den ich gerade gehe. Somit ist mein Fokus im Jetzt. Und weil ich es nicht gewohnt bin auf Kies oder Holzhackschnitzeln zu laufen, spüre ich natürlich jede Unebenheit durch meine Füße – und dadurch auch mich selbst. Vielleicht funktioniert es ja auch bei dir?

Und zu guter Letzt: Entscheidungen treffen

Zwar versuchte ich einerseits irgendwie Herrin der Lage zu werden, doch andererseits drückte ich mich auch davor, Entscheidungen zu treffen.

Ich war vollkommen überfordert damit. Reagierte nur noch, statt zu agieren. Wusste überhaupt nicht mehr, was ich wollte.

Doch wie sollte ich es auch wissen, wenn ich mir erst gar nicht die Zeit nahm, um darüber nachzudenken?

Auch wenn du meinst, gerade überhaupt keine Zeit dafür zu haben, dich in Ruhe hinzusetzen und dir darüber Gedanken zu machen, was du wirklich willst: Mach es! Für dich!

Denn keine Entscheidung zu treffen ist auch eine Entscheidung. Und sie führt nicht unbedingt dazu, dass sich etwas verbessert. Ganz im Gegenteil!

Entscheidungen zu treffen auf Basis dessen, was ich wirklich will, half und hilft mir, wieder in meine Kraft zu kommen bzw. in meiner Kraft zu sein.

Wie ich mit Selbstvertrauen, Stärke und Mut mein eigenes Leben gestalte, so wie es für mich richtig ist, kannst du einerseits in meiner Cover-Story „Geben Sie sich die Erlaubnis!“ im Lebensfreude Magazin lesen und andererseits in meinem Buch „10 Wochen zu früh – Ein einschneidendes Erlebnis“.

Ich wünsche dir für deinen persönlichen Weg nur das Beste!



Über die Autorin Vera Fechtig

Jg. 1983, wohnt in Vorarlberg am Bodensee, ist selbstständig als Grafikdesignerin (seit 10.2013), verheiratet (seit 8.2009), Mama von Zwillings-Jungs (seit 2.2016), Rudelführerin von Sheltie-Rüde Marlow (seit 10.2014) und Dosenöffnerin für Kater Hamish (seit 7.2011) und Glückskatze Juniper (seit 8.2012).

In ihrem Buch „10 Wochen zu früh – Ein einschneidendes Erlebnis“ beschreibt sie, wie sie ihren eigenen Weg geht und ihr Leben so gestaltet, wie es für sie richtig ist. Für sie selbst und ihre Familie. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Zwillingen.
Ganz unabhängig von Normen, Zwängen, Erwartungen der Gesellschaft – aber auch der eigenen Erwartungen, was man tun muss und wie man zu sein hat.

Mit dieser persönlichen Geschichte möchte Vera anderen Menschen Mut machen, ihr Leben passend zu den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten.

Mag. (FH) Vera Fechtig
selbstständige Grafikdesignerin & Autorin

A-6911 Lochau am Bodensee

Web: www.owlet.at

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Facebook Autorin: www.facebook.com/Vera-Fechtig-106241081824568

Instagram: www.instagram.com/owletgrafikdesign

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