Perfektionismus: Alles perfekt geordnet

Meine 6 besten Tipps gegen Perfektionismus

Was Perfektionismus mit uns macht

Als ich auf einem Kongress vor einem großen Publikum einen Vortrag halten musste, war ich schon im Vorfeld wahnsinnig aufgeregt.

Ich feilte an meiner Präsentation immer wieder herum.

Alles sollte perfekt sein!

Die Nacht vor dem Vortrag konnte ich kaum schlafen, da ich den Vortrag nicht gut genug fand.

Also überlegte ich selbst noch in der Nacht, was ich verbessern könnte.

Als es dann soweit war, den Vortrag zu halten, war ich immer noch unsicher, wie er ankommen würde.

Als ich dann jemandem im Publikum mit seinem Handy spielen sah, war ich überzeugt davon, dass meine Präsentation total langweilig war.

Sicher ließen die Leute mein Gerede nur so über sich ergehen.

Ich war total angespannt und versuchte diesen Vortrag einfach nur noch hinter mich zu bringen…

Das ist nur eine von vielen Situationen, in denen mein Perfektionismus mir schadet.

Perfektionismus ist auch einer der Faktoren, die ein Burnout sehr begünstigen.

 

Was passiert, wenn wir Perfektionismus nicht ablegen?

Wenn man perfektionistisch veranlagt ist, ist man nie so wirklich zufrieden mit sich selbst.

Sich zurückzulehnen, sich zu freuen   und bei sich zu denken : Das hast Du richtig gut gemacht!

Diese Situation ist Perfektionist*innen völlig unbekannt.

Denn: Es gibt immer Luft nach oben!

Da geht doch noch mehr!

Wenn wir uns über das Erreichte nicht wirklich freuen können, geht das auf Kosten unseres Selbstvertrauens und unseres Selbstbewusstseins.

So gelangen wir in einen Teufelskreis von immer höheren Ansprüchen an uns selbst und dem Gefühl zu versagen.

Nicht selten endet das in Depressionen, Süchten, Burnout, Ängsten, Zwängen oder Essstörungen.

Häufig erkennen wir dabei nicht, dass dies viel mit Perfektionismus zu tun hat.

Tatsächlich führt unser Perfektionismus auch zu einer schlechteren Leistung in unserer Arbeit.

Wenn man das Pareto-Prinzip zugrunde legt, kosten die letzten 20% bis zum perfekten Ergebnis 80% Deiner Zeit.

Das wäre eigentlich ein Grund, den Perfektionismus abzulegen…

Es versteht sich von selbst, dass das Leben einer Perfektionistin oder eines Perfektionisten sehr stressig ist und man eigentlich nie richtig mit einer Arbeit fertig ist, da sie noch nicht perfekt genug ist.

Meistens suchen wir die Fehler bei uns selbst, was auch nicht gerade zu mehr Selbstbewusstsein beiträgt.

Der Selbstwert hängt davon ab, wieviel Leistung wir erbringen können.

Kein Wunder, dass wir nicht richtig abschalten können…

 

Aber Perfektionismus hat auch gute Seiten

Wie bei allen anderen Dingen auch, gibt es nicht nur eine Seite der Medaille.

Tatsächlich gibt es auch einiges Positives zum Perfektionismus zu berichten.

Perfektionismus spornt uns z.B. zu Höchstleistungen an und lässt uns Aufgaben hochmotiviert erledigen.

Auch wenn Perfektionismus dazu führen kann, dass man die Dinge nicht oder zu spät geregelt bekommt, kann ganz im Gegenteil Perfektionismus auch dazu beitragen, dass man die Dinge erledigt – und zwar besser als jeder andere.

Somit holt Perfektionismus auch das Beste aus uns heraus.

Perfektionistische Menschen entdecken Fehler sehr viel besser und finden passende Lösungen dafür.

Um die Aufgaben mit besonderer Sorgfalt zu erledigen, organisieren sich Perfektionist*innen auf ausgeklügelte Art und Weise.

Die Arbeit wird auf hochwertig qualitative Art und Weise erledigt.

Perfektionist*innen behalten Details im Auge, die andere leicht übersehen.

Aufgrund der Fülle an Vorteile, die uns Perfektionismus auch bietet, ist er nur dann ein Problem, wenn wir darunter leiden.

 

Perfektionismus: Erledigt ist besser als gut
Erledigt ist besser als gut

 

 

Meine 6 besten Tipps gegen Perfektionismus

Wenn Du Dich nun entschieden hast, etwas gegen Deinen Perfektionismus zu unternehmen, kann ich Dir die folgenden Tipps ans Herz legen.

  1. Behalte den Überblick

Anstatt Dich in immer winzigeren Details zu verlieren, behalte das große Ganze im Blick.

Damit kannst Du es vermeiden, Dich immer weiter zu verzetteln.

  1. Vergleiche Dich nicht mit anderen

Vergleiche führen ebenfalls dazu, dass Du nie mit Dir zufrieden bist, denn es wird immer jemanden geben, der besser ist als Du.

Außerdem vergleichst Du Dich niemals mit den Menschen, die die Aufgabe nicht so gut erledigen würden wie Du.

Es nützt daher nichts, Dich zu frustrieren.

Wenn Du dich unbedingt mit jemandem vergleichen möchtest, dann vergleiche Dich mit Dir selbst, wie du diese Dinge vorher erledigt hast.

Ansonsten lass es bleiben!

  1. Lerne auch mit 80% zufrieden zu sein

Es ist nur selten möglich, die perfekten 100% zu erreichen.

Erkenne daher an, dass auch 80-90 % gut genug und damit ein Erfolg und kein Misserfolg sind.

Dies erfordert eine Veränderung Deines Mindsets.

Klopfe Dir daher selbst auf die Schulter, wenn Du eine Arbeit gut erledigt hast und Du wirst mit der Zeit immer zufriedener damit werden, anstatt Dich zu grämen, keine 110% erreicht zu haben.

  1. Mache eine Bestandsaufnahme

Überlege Dir genau, in welchen Situationen Dein Perfektionismus zuschlägt – sowohl beruflich als auch privat.

Erstelle Dir eine Liste – am besten schriftlich.

Überlege Dir dann, was Dir in den jeweiligen Situationen helfen könnte, 10% weniger perfektionistisch zu sein.

Wenn Dir 10% zu viel erscheinen, probiere es erst einmal mit 5%.

Die Magie liegt in den kleinen Schritten.

  1. Mache dir den versteckten Gewinn bewusst

Wir Menschen sind so gestrickt, dass wir nur Dinge tun, von denen wir etwas haben.

Überlege Dir, welchen unbewussten Gewinn Du von Deinem Perfektionismus haben könntest.

Vielleicht bekommst Du viel Anerkennung dafür, auf die Du nicht verzichten möchtest.

Nachdem Du den versteckten Gewinn herausgefunden hast, kannst Du überlegen, wie Du diesen Gewinn auf andere Art und Weise erzielen kannst als über Dein perfektionistisches Verhalten.

Wie könntest Du z.B. Anerkennung auf anderem Wege erhalten?

  1. Lass los!

Es ist nicht möglich, die Dinge zu kontrollieren – egal wie sehr Du Dich auch anstrengst.

Anstatt Dich also darüber zu ärgern, dass die Dinge anders laufen als geplant oder von Dir gewollt, musst Du es loslassen.

Mach Dir klar, dass die Erde sich weiter dreht – auch ganz ohne Dich.

Auch wenn das für Dein Ego schwer zu verkraften ist, mach Dir bewusst, dasss Du nicht über alles die Kontrolle haben kannst.

Lass also mal 5 grade sein und genieße stattdessen einen leckeren Tee in der Sonne.

 

Ich hoffe, diese Tipps helfen Dir, mit Deinem Perfektionismus besser klarzukommen.

Gerne kannst Du mir davon berichten, welcher Tipp am besten für Dich funktioniert hat.

6 thoughts on “Meine 6 besten Tipps gegen Perfektionismus”

    1. Es freut mich sehr, dass Du etwas für Dich mitnehmen konntest liebe Kerstin. Die eigene Leistung anzuerkennen, ist so wichtig. Und macht auch viel mehr Spaß… 🙂

    1. Ja, ich glaube, das geht einigen so liebe Alexandra. Vielleicht klebst Du Dir ein Post it als Erinnerung in Sichtweite, damit Du es nicht vergisst… 🙂

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