Was der Sommer mit Veränderung in den Wechseljahren zu tun hat

Ich höre oft einen bestimmten Satz, wenn Frauen mir von ihren Wechseljahren erzählen. Er klingt ungefähr so: „Ich warte einfach, bis es vorbei ist.“

Das sagen Frauen, die sonst wenig abwarten. Frauen, die Familien organisieren, Karrieren gestalten, Krisen meistern. Frauen, die ich als entschlossen, lebendig und klar erlebe. Und trotzdem stehen sie dieser Veränderung so gegenüber, als wäre sie ein langer schlechter Filmabend, durch den irgendwie durchzukommen ist, bis endlich der Abspann läuft.

Das verstehe ich. Ich verstehe es, weil das, was Frauen in den Wechseljahren beschreiben, sich oft wirklich so anfühlt. Der Schlaf kommt nicht mehr so verlässlich wie früher. Die Stimmung folgt keiner erkennbaren Logik mehr. Der Körper zieht Grenzen, die er vorher nicht gezogen hat. Und dazu gesellt sich etwas, das sich noch schwerer benennen lässt: dieses Gefühl, sich selbst nicht mehr ganz zu kennen. Du machst weiter, weil das Leben das so verlangt. Aber ob du dich dabei noch wirklich spürst, ist eine andere Frage.

Was mich wirklich beschäftigt, ist nicht, dass Frauen das so erleben. Es ist, dass es kaum einen Raum gibt, in dem sie davon sprechen dürfen, ohne dass jemand sofort eine Lösung parat hat. Ein Mittel, eine Therapie, einen Ratschlag. Als wäre das Unbehagen das Problem, das es zu beseitigen gilt, und nicht das, was dahinter liegt.


Warum unsere Kultur mit dieser Wechseljahre-Veränderung nicht umgehen kann

Die Wechseljahre werden in unserer Gesellschaft entweder medikalisiert oder bagatellisiert. Entweder sind sie ein Zustand, der behandelt werden muss, oder einer, den du eben durchstehst. Was sie selten sind: eine Lebensphase, die als das anerkannt wird, was sie eigentlich ist. Die Menopause ist gesellschaftlich noch immer ein Tabuthema, obwohl sie das Leben von Millionen Frauen grundlegend prägt.

In vielen anderen Kulturen gab es Rituale für solche Übergänge. Die Gemeinschaft trat zusammen, würdigte das, was war, und begrüßte das, was kommen sollte. Die Frau, die eine Schwelle überschritt, wurde gesehen. Begleitet. Es gab einen Rahmen, der sagte: Das, was du gerade durchmachst, hat Bedeutung. Du gehst durch etwas, das einen Namen verdient.

Veränderung in den Wechseljahren: In Frauengemeinschaften gefeiert
Frauengemeinschaften würdigen mit Ritualen die Wechseljahre.

Diesen Rahmen haben wir verloren. Die Wechseljahre passieren meistens still, zwischen Terminen, Verpflichtungen und einer Erschöpfung, die sich schwer erklären lässt. Wenn überhaupt jemand fragt, dann die Ärztin, die einen Hormonspiegel bestimmt, der nicht wirklich etwas aussagt. Aber kaum jemand fragt: Wie geht es dir mit diesem Übergang? Was verabschiedet sich gerade? Und was entsteht in dir neu?

Anthropolog*innen nennen solche Zwischenphasen liminal, vom lateinischen limen, die Schwelle. Es ist der Ort, an dem das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch keine festen Konturen hat. Orientierungslosigkeit gehört dazu. Manchmal Trauer. Manchmal auch ein Gefühl, das sich nicht benennen lässt, weil es noch keinen Namen hat.

Was ich in meiner Arbeit mit Frauen immer wieder beobachte: Viele leiden weniger unter den körperlichen Symptomen als unter dem Gefühl, sich selbst nicht mehr zu erkennen. Wer bin ich, wenn ich nicht mehr die bin, die ich zwanzig Jahre lang war? Was bleibt von mir, wenn bestimmte Rollen wegfallen, auf die ich so viel Energie verwendet habe? Das sind keine Anzeichen einer Krise. Vielmehr sind es Fragen, die auftauchen, wenn du wirklich an einer Schwelle angekommen bist.


Was der Körper dir gerade sagen möchte

Die meisten von uns haben gelernt, mit dem Körper vor allem über Anforderungen zu kommunizieren. Er soll funktionieren, leisten, durchhalten. Und wenn er das nicht tut, wird er korrigiert, übergangen oder mit dem nächsten Mittel zum Schweigen gebracht.

In den Wechseljahren geht das irgendwann nicht mehr so einfach. Der Körper wird lauter. Die Nächte bringen nicht mehr die Erholung, die du dir erhoffst. Hitze steigt auf, oft dann, wenn du es am wenigsten brauchst. Gelenke machen sich bemerkbar. Die Erschöpfung sitzt tiefer als das, was ein Wochenende auflösen kann.

Was ich Frauen anbiete, ist eine andere Lesart davon. Was, wenn das, was der Körper gerade tut, eine Form von Kommunikation ist? Was, wenn er dir gerade etwas zeigt, das er dir schon lange zeigen wollte? Warum der Körper in Entwicklungsprozessen eine zentrale Rolle spielt, habe Anya Lang in einem Gast-Artikel beschrieben.

Der weibliche Körper in den Wechseljahren reorganisiert sich grundlegend. Das Hormonsystem stellt sich um, aber das ist nur die messbare Ebene. Was gleichzeitig passiert, ist schwerer zu erfassen: Der Körper zieht Grenzen, die früher überschreitbar waren. Er fordert Schlaf ein, den du ihm verweigert hast. Er reagiert empfindlicher auf Stress, der vorher einfach geschluckt wurde. Er sagt, in seiner Körpersprache: So, wie es war, geht es nicht mehr weiter.

Das kann sich wie Verrat anfühlen. Ich weiß das. Und gleichzeitig ist es vielleicht die ehrlichste Rückmeldung, die du je bekommen hast.


Die Fragen, die auftauchen, wenn du ehrlich hinschaust

Frauen in den Wechseljahren beschreiben mir oft, dass Gedanken auftauchen, die vorher keinen Platz hatten. Fragen darüber, was sie wirklich wollen. Eine diffuse Ernüchterung über Beziehungen, die sich still verändert haben, ohne dass je jemand darüber gesprochen hätte. Ein Gefühl, das sich kaum benennen lässt: dass das Leben zwar gut war, aber irgendwie auch nicht ganz das, das sie sich vorgestellt hatten.

Diese Gedanken kommen meistens nicht in ruhigen Momenten. Sie kommen nachts, wenn du nicht schlafen kannst. Oder in einer stillen Autofahrt. Oder mitten in einem Gespräch, in dem du plötzlich merkst, dass du das schon hundertmal so gesagt hast, aber nie wirklich gemeint.

Was ich dabei wichtig finde: Diese Gedanken sind keine Destabilisierung. Sie zeigen dir, dass etwas in dir wach geworden ist, das Gehör und Platz braucht.

Viele Frauen haben das Gefühl, mit diesen Fragen falsch zu liegen. Als wären sie undankbar, weil das Leben doch eigentlich gut ist. Als wärst du zu spät dran, weil du mit Mitte vierzig oder fünfzig doch längst wissen solltest, wer du bist.

Beides stimmt nicht. Die Frage, wer du bist und was du willst, hat kein Verfallsdatum. Und das, was in den Wechseljahren auftaucht, sind oft die Fragen, für die vorher schlicht keine Zeit war. Jetzt ist Zeit. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.


Warum ich von Sommer spreche

Ich habe den Begriff Sommer nicht gewählt, um die Wechseljahre schöner zu machen als sie sind. Ich habe ihn gewählt, weil er mir das genaueste Bild für das gibt, was in dieser Lebensphase wirklich passiert.

Schau dir an, was der Sommer eigentlich ist. Er ist die Jahreszeit, in der alles reift. In der das Licht eine andere Qualität hat als im Frühling, satter irgendwie, schwerer und gleichzeitig weicher. In der Dinge sich erfüllen, die vorher nur angelegt waren. Der Sommer ist nicht die Jugend des Jahres. Er ist der Moment, in dem das Jahr zu sich selbst kommt. Wenn die Früchte süß werden und das Licht am längsten bleibt.

Was ich bei Frauen erlebe, die bereit sind, ihre Wechseljahre auf diese Weise anzuschauen, stimmt mich immer wieder nachdenklich. Da reift etwas. Eine Klarheit dahingehend, was wirklich zählt und was dir die Energie gestohlen hat, die du so bereitwillig hergegeben hast. Eine neue Bereitschaft, die eigene Meinung zu vertreten, auch wenn das jemandem nicht passt. Und darunter, meistens gut versteckt unter der Erschöpfung, eine Sehnsucht nach etwas Eigenem. Nach einem Leben, das sich wirklich wie das eigene anfühlt.

Das ist keine Romantisierung. Die schwierigen Momente sind real, und ich würde mir nicht anmaßen, das wegzureden. Es gibt Nächte, in denen du liegst und weißt, dass der Schlaf nicht kommt. Tage, an denen dein Körper und deine Stimmung einfach kein gemeinsames Bild ergeben. Und dieses anhaltende Gefühl, eine Frau zu sein, die sich selbst gerade ein bisschen fremd geworden ist.

Und genau dieses Dazwischen, dieses Noch-nicht-Wissen, dieses Loslassen ohne schon anzukommen, das ist der Sommer. Weil Sommer kein Zustand ist, der einfach geschieht. Er entsteht im Übergang.


Was sich verändert, wenn du diese Phase anders betrachtest

Ich habe beobachtet, was passiert, wenn Frauen aufhören zu warten, bis es vorbei ist, und anfangen hinzuschauen, was gerade eigentlich passiert. Es ist keine plötzliche Verwandlung. Eher eine andere Art, mit dem umzugehen, was kommt, eine, die sich aber in allem niederschlägt.

Die körperlichen Symptome werden dadurch nicht weniger. Aber der Umgang damit verändert sich. Erschöpfung, die du früher einfach weggearbeitet hättest, bekommt eine andere Bedeutung. Sie kommt mit einem Grund. Und Schlaflosigkeit, die sich wie ein Defekt angefühlt hat, wird zu einer Frage: Was braucht hier gerade Aufmerksamkeit, das ich bisher überhört habe?

Das braucht Zeit, und es braucht einen Raum, in dem du innehalten darfst, ohne dass gleich jemand eine Lösung von dir erwartet. Einen Ort, an dem du schauen kannst, was gerade wirklich los ist, ohne dass das sofort irgendwohin führen muss. Wie das aussehen kann, wenn man die Wechseljahre als Chance begreift, habe ich in einem anderen Artikel beschrieben. Und auch Expertinnen aus der Wirtschaftspsychologie bestätigen: Diese Veränderung kann die Wurzel einer tiefen Transformation sein.

Genau das hat mir gefehlt, als ich selbst an dieser Schwelle stand. Und genau deshalb habe ich den Sommerkalender gemacht.


Der Sommer-Kalender: 20 Tage für dich

Veränderung in den Wechseljahren:: Sommer-Kalender

„Erfüllt und frei“ ist ein 20-tägiger Begleitkalender, den ich für Frauen in den Wechseljahren geschrieben habe. Zwanzig Tage, zwanzig Türchen. Jeden Tag eines.

Er folgt einem inneren Bogen in vier Phasen: Ankommen, Hinhören, Loslassen, Aufblühen. Jede Phase hat ihren eigenen Charakter, ihre eigenen Fragen, ihre eigene Tiefe. Ich habe ihn so geschrieben, wie ich auch in meinen Mentorings arbeite: nah dran an dem, was wirklich passiert, ohne es schöner zu machen als es ist, und ohne es schwerer zu machen als nötig.

Jeden Tag gibt es einen kurzen Text, der dich in ein Thema hineinführt. Manchmal eine Reflexionsfrage, manchmal eine kleine Übung, manchmal einen Satz, der dich durch den Tag begleitet. Er ist keine Liste von Aufgaben, die du abhaken sollst. Er lädt dich jeden Tag ein, eine kleine Tür zu öffnen und zu schauen, was dahinter ist. Manche Tage wirst du tief einsteigen. An anderen wirst du nur kurz lesen und dann weitergehen. Beides ist richtig. Wer außerdem wissen möchte, warum echte Selbstfürsorge in den Wechseljahren so viel tiefer geht als ein Schaumbad, findet dazu einen eigenen Artikel bei mir.

Was ich dir wünsche, ist, dass du diese zwanzig Tage nicht perfekt machst. Dass du ein Türchen verpasst und das nächste trotzdem öffnest. Dass du bei manchen Fragen keine Antwort findest und weitermachst. Dass du dir erlaubst, hier einfach zu sein, genau so, wie du heute bist.

Der Sommer wartet nicht darauf, dass du bereit bist. Er beginnt einfach. Und diese zwanzig Tage können der Anfang davon sein, dass du aufhörst zu warten, bis es vorbei ist, und anfängst zu schauen, was diese Veränderung in dir reifen lässt.

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