Rani Gindl hat zu einer BlogParade „Was ist Selfcare für dich?“ aufgerufen. In diesem Blogartikel teile ich meine Gedanken dazu mit dir.
Viele Jahre lang habe ich beobachtet, wie über Selfcare gesprochen wird, und ich habe immer wieder gemerkt, dass zwischen diesem Wort und der Realität vieler Frauen eine erstaunlich große Lücke besteht. Wenn wir heute über Selbstfürsorge sprechen, tauchen in den Köpfen der meisten Menschen Bilder auf, die mit Ruhe, Duftkerzen, warmem Wasser oder weißen Bademänteln verbunden sind. Diese Bilder wirken beruhigend und angenehm, aber sie haben mit dem Leben vieler Frauen erstaunlich wenig zu tun. Besonders nicht mit dem Leben der Frauen, die ich begleite.
Denn die Frauen, die zu mir kommen, haben meist nicht das Problem, dass sie zu wenig Schaumbäder nehmen. Sie haben über Jahrzehnte hinweg sehr viel Verantwortung getragen. Sie haben gearbeitet, Beziehungen gestaltet, Familien organisiert, Konflikte moderiert, Entscheidungen getroffen und oft mehr emotional ausgehalten, als irgendjemand jemals gesehen hat. Sie haben funktioniert, manchmal bewundernswert gut, manchmal bis an die Grenze ihrer Kräfte. Und während sie all das getan haben, ist eine Frage oft still im Hintergrund geblieben: Wo bleibe eigentlich ich in diesem Leben?
In den Wechseljahren beginnt sich diese Frage häufig zu verändern. Der Körper verändert sich, die Energie verändert sich, und mit diesen Veränderungen kommt bei vielen Frauen eine neue Ehrlichkeit ins Leben. Dinge, die früher noch möglich waren, fühlen sich plötzlich schwerer an. Geduld, die lange selbstverständlich war, wird knapper. Rollen, die über Jahre problemlos ausgefüllt wurden, beginnen sich enger anzufühlen. Und genau in diesem Moment wird Selfcare plötzlich zu etwas völlig anderem als einem schönen Wellness-Ritual.
Echte Selbstfürsorge in den Wechseljahren beginnt für viele Frauen nämlich nicht in einem Spa, sondern in einem Moment der Klarheit. In dem Moment, in dem sie erkennen, dass sie sich selbst über viele Jahre hinweg oft an die letzte Stelle gestellt haben. In dem Moment, in dem sie anfangen, die eigenen Bedürfnisse wieder ernst zu nehmen, auch wenn das bedeutet, Gewohnheiten zu hinterfragen, Grenzen neu zu setzen oder Entscheidungen zu treffen, die nicht mehr nur den Erwartungen anderer entsprechen.
Für mich persönlich hat Selfcare deshalb nichts mit Konsum und auch nichts mit einem weiteren Punkt auf einer ohnehin schon langen To-do-Liste zu tun. Sie ist kein Luxus und auch keine kleine Belohnung für besonders anstrengende Tage. Sie ist vielmehr eine innere Haltung, eine Art Beziehung zu mir selbst, die sich im Denken, im Alltag und letztlich im gesamten Leben ausdrückt. Sie zeigt sich darin, wie ehrlich ich mit mir selbst bin, wie aufmerksam ich auf meinen Körper höre und wie viel Raum ich mir erlaube, in meinem eigenen Leben einzunehmen.
Vielleicht beginnt echte Selfcare in den Wechseljahren genau dort, wo das alte Funktionieren nicht mehr selbstverständlich weiterläuft. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass viele Frauen gerade in den Wechseljahren beginnen, diese neue Beziehung zu sich selbst zu entdecken. Nicht als perfektes Konzept, nicht als weitere Optimierungsstrategie, sondern als einen sehr persönlichen Weg zurück zu sich selbst.
Warum Selfcare heute oft missverstanden wird
Wenn man sich anschaut, wie heute über Selfcare gesprochen wird, fällt schnell auf, dass dieses ursprünglich sehr kraftvolle Konzept in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Verschiebung erlebt hat. Ein Begriff, der einmal für Selbstverantwortung, innere Klarheit und einen bewussten Umgang mit den eigenen Grenzen stand, ist nach und nach zu einem Lifestyle-Thema geworden, das stark mit Konsum und ästhetischen Bildern verbunden wird. In sozialen Medien begegnen uns unter dem Hashtag Selfcare häufig Szenen von Wellnesshotels, Hautpflege-Routinen, Kerzenlicht, Yogamatten am Strand oder perfekt inszenierten Morgenritualen. All das kann natürlich angenehm sein und ich möchte gar nicht behaupten, dass solche Dinge keinen Wert haben. Das Problem entsteht dort, wo diese Bilder beginnen, unsere Vorstellung davon zu prägen, was Selbstfürsorge angeblich sein sollte.
Gerade viele Frauen erleben dadurch eine stille Form von Druck. Denn wenn Selfcare so aussieht, als müsse sie besonders schön, besonders ruhig oder besonders perfekt sein, dann wirkt sie schnell wie etwas, das man erst dann „richtig“ machen kann, wenn die äußeren Bedingungen stimmen. Wenn genügend Zeit vorhanden ist, wenn man sich einen Spa-Tag leisten kann oder wenn das Leben gerade nicht allzu turbulent ist. Für Frauen, die mitten im Alltag stehen, die für vieles und viele verantwortlich sind und oft mehrere Rollen gleichzeitig erfüllen, entsteht dadurch leicht das Gefühl, dass Selfcare etwas ist, das für andere Menschen gedacht ist, aber nicht für sie selbst.
Hinzu kommt ein zweiter Aspekt, der aus meiner Sicht fast noch problematischer ist. In vielen Ratgebern und Social-Media-Beiträgen wird Selfcare inzwischen wie eine weitere Aufgabe behandelt, die man möglichst effizient in den Alltag integrieren sollte. Es gibt Listen mit Morgenroutinen, Abendroutinen, Journaling-Methoden, Dankbarkeitsübungen, Atemtechniken und unzähligen anderen Vorschlägen, die alle dabei helfen sollen, das eigene Leben besser zu gestalten. Auch hier steckt oft eine gute Absicht dahinter. Doch für viele Frauen entsteht dadurch unbemerkt ein neuer Leistungsanspruch.
Selfcare wird dann zu einem weiteren Projekt, das möglichst gut umgesetzt werden soll. Frau fragt sich, ob frau genug meditiert, ob frau regelmäßig genug Pausen macht, ob frau die richtige Methode gefunden hat. Und so kann es passieren, dass ausgerechnet das, was eigentlich entlasten sollte, plötzlich selbst wieder zu einer Quelle von Druck wird.

Für mich liegt das Missverständnis genau an dieser Stelle. Selbstfürsorge ist keine Technik und auch kein Programm, das man korrekt absolvieren muss. Sie ist keine Sammlung von Ritualen, die frau abhaken kann, und sie ist auch nicht daran gebunden, dass frau besonders viel Zeit oder besondere Ressourcen zur Verfügung hat. Echte Selfcare beginnt nicht damit, dass frau dem eigenen Alltag noch mehr Aktivitäten hinzufügt. Sie beginnt viel früher, nämlich in der Bereitschaft, sich selbst überhaupt wieder zuzuhören.
Gerade Frauen, die über viele Jahre hinweg sehr stark für andere da waren, haben oft gelernt, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Sie haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Probleme zu lösen und für Stabilität zu sorgen. Das sind Fähigkeiten, die sehr wertvoll sind und die in vielen Lebensbereichen gebraucht werden. Gleichzeitig kann diese Haltung dazu führen, dass die Verbindung zu den eigenen Grenzen und Bedürfnissen im Laufe der Zeit immer leiser wird.
Wenn ich heute mit Frauen über Selfcare spreche, merke ich deshalb oft, dass wir zunächst einen Schritt zurückgehen müssen. Weg von der Frage, welche Methode die richtige ist, und hin zu einer viel grundsätzlicheren Frage: Wie geht es mir eigentlich wirklich in meinem Leben? Und bin ich bereit, diese Antwort ernst zu nehmen?
An genau diesem Punkt beginnt für mich echte Selbstfürsorge. Nicht als schönes Konzept und auch nicht als weitere Aufgabe, sondern als ein ehrlicher Blick auf das eigene Leben. Und dieser Blick kann manchmal unbequem sein, weil er Dinge sichtbar macht, die lange keinen Raum hatten. Doch gleichzeitig liegt in genau dieser Ehrlichkeit auch die Möglichkeit für Veränderung.
Für viele Frauen beginnt Selfcare erst, wenn das alte Leben nicht mehr funktioniert
Wenn ich mit Frauen über Selbstfürsorge spreche, stelle ich immer wieder fest, dass der Moment, in dem dieses Thema wirklich wichtig wird, selten in einer ruhigen oder entspannten Lebensphase entsteht. Viel häufiger taucht Selfcare genau dann auf, wenn etwas im bisherigen Leben nicht mehr so funktioniert wie früher. Wenn die Kräfte nicht mehr selbstverständlich reichen, wenn der Körper sich meldet oder wenn das Gefühl entsteht, dass die gewohnte Art zu leben plötzlich nicht mehr stimmig ist.
Gerade in den Wechseljahren passiert etwas sehr Interessantes. Viele Frauen beschreiben diese Zeit nicht nur als eine körperliche Veränderung, sondern auch als eine Art inneren Wendepunkt. Dinge, die lange selbstverständlich waren, beginnen sich zu verschieben. Die Energie ist nicht mehr unbegrenzt verfügbar, der Körper reagiert sensibler auf Stress, Schlaf wird unruhiger, und oft entsteht eine neue Wahrnehmung dafür, wie sehr frau sich über Jahre hinweg an äußere Anforderungen angepasst hat.
Was dabei sichtbar wird, ist nicht selten eine Form des Lebens, die stark vom Funktionieren geprägt war. Viele Frauen haben gelernt, zuverlässig zu sein, Verantwortung zu übernehmen und für Stabilität zu sorgen. Sie haben Beziehungen getragen, Familien organisiert, berufliche Aufgaben erfüllt und dabei oft erstaunlich viel gleichzeitig bewältigt. Diese Fähigkeit zu funktionieren wird gesellschaftlich meist sehr geschätzt, und sie hat vielen Frauen auch ermöglicht, schwierige Lebensphasen zu meistern.
Doch irgendwann kommt bei vielen ein Punkt, an dem dieses Funktionieren nicht mehr so selbstverständlich weiterläuft. Der Körper sendet Signale, die nicht mehr ignoriert werden können. Müdigkeit, Schlafprobleme, innere Unruhe oder auch eine diffuse Form von Erschöpfung sind häufige Begleiter dieser Zeit. Gleichzeitig taucht bei vielen Frauen eine neue Form von Ehrlichkeit auf. Eine Stimme, die vielleicht lange sehr leise war, beginnt deutlicher zu werden und stellt Fragen, die früher keinen Platz hatten.
Lebt ich eigentlich so, wie es wirklich zu mir passt?
Warum bin ich so selten selbst an erster Stelle in meinem eigenen Leben?
Und wie möchte ich die nächsten Jahre meines Lebens eigentlich gestalten?
In dieser Phase zeigt sich, dass Selfcare nicht damit beginnt, sich gelegentlich eine kleine Auszeit zu gönnen. Sie beginnt viel grundlegender. Sie beginnt dort, wo eine Frau anfängt, ihr eigenes Leben wieder aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Dort, wo sie erkennt, dass sie nicht mehr bereit ist, dauerhaft über ihre eigenen Grenzen hinwegzugehen.
Für manche Frauen fühlt sich dieser Prozess zunächst irritierend an. Denn viele haben gelernt, stark zu sein, durchzuhalten und Lösungen für andere zu finden. Sich selbst ernst zu nehmen und den eigenen Bedürfnissen Raum zu geben, wirkt im ersten Moment ungewohnt oder sogar egoistisch. Doch wenn frau genauer hinschaut, ist genau dieser Schritt oft der Beginn einer wichtigen inneren Veränderung.
Die Wechseljahre können deshalb, trotz aller Herausforderungen, auch eine Einladung sein. Eine Einladung, das eigene Leben noch einmal neu zu betrachten und Entscheidungen bewusster zu treffen. Und genau an dieser Stelle beginnt für viele Frauen eine Form von Selfcare, die nichts mit Wellness zu tun hat. Eine Selbstfürsorge, die aus Ehrlichkeit entsteht und aus der Bereitschaft, das eigene Leben nicht mehr ausschließlich nach äußeren Erwartungen auszurichten.
Selfcare in den Wechseljahren
Wenn ich heute über Selbstfürsorge spreche, dann meine ich damit nicht in erster Linie bestimmte Rituale oder Methoden, sondern eine grundlegende Veränderung in der Beziehung zu mir selbst. Für mich beginnt Selfcare in dem Moment, in dem ich wieder anfange, mir selbst wirklich zuzuhören. Nicht nur oberflächlich, nicht nur dann, wenn gerade etwas Zeit übrig ist, sondern mit einer ehrlichen Aufmerksamkeit dafür, wie es mir tatsächlich geht.
Viele Frauen haben im Laufe ihres Lebens gelernt, sehr sensibel für die Bedürfnisse anderer Menschen zu sein. Sie merken schnell, wenn jemand Unterstützung braucht, wenn etwas nicht stimmt oder wenn sie gebraucht werden. Diese Fähigkeit ist wertvoll und sie hat oft dazu beigetragen, Beziehungen zu stabilisieren, Familien zusammenzuhalten oder im Beruf Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig kann sie dazu führen, dass die Aufmerksamkeit für die eigenen Bedürfnisse im Laufe der Jahre immer mehr in den Hintergrund rückt.
Mir begegnen immer wieder Frauen, die erstaunlich genau beschreiben können, was ihr Partner oder ihre Partnerin braucht, was ihre Kinder gerade beschäftigt oder welche Erwartungen im Beruf an sie gestellt werden. Wenn ich sie jedoch frage, was sie selbst eigentlich brauchen, entsteht oft zunächst eine längere Pause. Nicht, weil diese Frauen keine Bedürfnisse hätten, sondern weil sie sich über lange Zeit daran gewöhnt haben, diese Frage gar nicht mehr zu stellen.
Selfcare beginnt für mich deshalb nicht mit der Entscheidung, mehr Dinge zu tun, sondern mit der Bereitschaft, wieder wahrzunehmen, was im eigenen Inneren passiert. Wie fühlt sich mein Körper an? Wann bin ich erschöpft? Wann bin ich wirklich lebendig? Welche Situationen geben mir Kraft und welche rauben sie mir? Diese Fragen wirken zunächst sehr einfach, aber sie können erstaunlich viel verändern, wenn frau ihnen wirklich Raum gibt.
Mir selbst zuzuhören bedeutet auch, meine Grenzen ernst zu nehmen. Viele Frauen haben lange gelernt, über ihre eigenen Grenzen hinwegzugehen, weil es gerade notwendig erschien oder weil sie niemanden enttäuschen wollten. Doch der Körper und auch die Psyche haben eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich bemerkbar zu machen, wenn diese Grenzen dauerhaft überschritten werden. Müdigkeit, Reizbarkeit oder ein Gefühl innerer Leere sind oft Signale dafür, dass etwas im Leben nicht mehr in Balance ist.
Wenn ich Selfcare so verstehe, dann wird sie zu etwas sehr Alltäglichem. Sie zeigt sich nicht nur in besonderen Momenten, sondern in vielen kleinen Entscheidungen des Tages. In der Art, wie ich meinen Kalender gestalte, wie viele Verpflichtungen ich mir zumute oder wie ehrlich ich mit mir selbst darüber bin, was mir guttut und was nicht.
Dabei geht es nicht darum, perfekt zu sein oder jede Entscheidung sofort richtig zu treffen. Selbstfürsorge ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann für immer behält. Sie ist eher ein fortlaufender Prozess, in dem ich immer wieder neu überprüfe, wie ich mit mir selbst umgehe. Manchmal gelingt das gut, manchmal weniger, aber allein die Tatsache, dass ich diese Beziehung zu mir selbst bewusst pflege, verändert bereits sehr viel.
Gerade für Frauen, die über viele Jahre hinweg stark im Außen orientiert waren, kann dieser Weg zurück zu sich selbst zunächst ungewohnt sein. Doch ich erlebe immer wieder, dass genau in dieser neuen Aufmerksamkeit eine große Kraft liegt. Denn wenn ich mir selbst wieder wirklich zuhöre, entsteht die Möglichkeit, mein Leben nicht nur nach äußeren Erwartungen zu gestalten, sondern nach dem, was sich für mich wirklich stimmig anfühlt.
Die unbequemere Seite von Selfcare in den Wechseljahren
Wenn ich über Selbstfürsorge spreche, dann gehört für mich auch eine Seite dazu, über die deutlich seltener gesprochen wird. Denn echte Selfcare ist nicht immer angenehm, und sie ist auch nicht immer harmonisch. Manchmal bedeutet sie, Entscheidungen zu treffen, die zunächst Unruhe auslösen oder alte Gewohnheiten infrage stellen.
Viele Frauen stellen im Laufe ihres Lebens fest, dass sie sich über Jahre hinweg sehr stark an Erwartungen angepasst haben. Erwartungen in der Familie, im Beruf, im Freundeskreis oder auch an sich selbst. Diese Erwartungen sind oft nicht bewusst formuliert, sondern entwickeln sich ganz allmählich. Frau übernimmt bestimmte Rollen, übernimmt Verantwortung, hält Dinge zusammen und sorgt dafür, dass der Alltag funktioniert. Mit der Zeit entsteht daraus ein Gefüge, das nach außen stabil wirkt, innerlich aber nicht immer wirklich stimmig ist.
Wenn eine Frau in dieser Situation beginnt, sich selbst wieder ernst zu nehmen, verändert sich zwangsläufig etwas. Plötzlich werden Grenzen spürbarer. Dinge, die früher selbstverständlich waren, fühlen sich nicht mehr ganz richtig an. Manche Verpflichtungen wirken schwerer als früher, manche Gespräche beginnen eine neue Ehrlichkeit zu bekommen. Und manchmal zeigt sich auch, dass nicht jede Rolle, die frau einmal übernommen hat, noch zum eigenen Leben passt.
Selfcare bedeutet in solchen Momenten oft, innezuhalten und genauer hinzuschauen. Vielleicht bedeutet sie, eine Bitte abzulehnen, obwohl man es früher automatisch getan hätte. Vielleicht bedeutet sie, ein Gespräch zu führen, das man lange vor sich hergeschoben hat. Vielleicht bedeutet sie auch, anzuerkennen, dass frau erschöpft ist und Unterstützung braucht.
Solche Schritte sind selten spektakulär, aber sie können eine große Wirkung haben. Denn sobald eine Frau beginnt, ihre eigenen Grenzen ernst zu nehmen, verändert sich auch ihr Umgang mit anderen Menschen. Beziehungen können ehrlicher werden, aber manchmal auch herausfordernder, weil nicht mehr alles so selbstverständlich funktioniert wie zuvor.
Gerade deshalb wird Selfcare manchmal missverstanden. Von außen wirkt sie vielleicht wie ein Rückzug oder wie eine Form von Egoismus. Doch wenn frau genauer hinsieht, ist das Gegenteil der Fall. Wer sich selbst ernst nimmt, entwickelt oft auch mehr Klarheit und Verantwortung im Umgang mit anderen. Entscheidungen werden bewusster getroffen, Beziehungen werden weniger von Pflichtgefühl und mehr von echter Verbindung getragen.

Für viele Frauen ist diese Phase zunächst ungewohnt. Denn sie haben über lange Zeit gelernt, stark zu sein, durchzuhalten und für andere da zu sein. Sich selbst Raum zu geben fühlt sich im ersten Moment nicht immer selbstverständlich an. Doch genau hier beginnt eine wichtige Veränderung. Selfcare wird dann nicht zu einem weiteren Projekt, das man möglichst gut erledigen muss, sondern zu einer neuen Art, das eigene Leben zu gestalten.
Und vielleicht liegt gerade in dieser unbequemen Seite von Selbstfürsorge eine ihrer größten Stärken. Sie lädt uns ein, ehrlich zu werden, genauer hinzusehen und die Verantwortung für unser eigenes Leben wieder ein Stück stärker in die eigenen Hände zu nehmen.
Wie Selfcare in meinem Alltag wirklich aussieht
Wenn ich über Selfcare spreche, dann geht es mir nicht um ein Idealbild eines besonders ruhigen oder perfekt gestalteten Lebens. Mein Alltag sieht, wie bei den meisten Menschen, nicht immer gleichmäßig oder besonders idyllisch aus. Auch ich habe Verpflichtungen, Projekte, Gespräche, Termine und manchmal Tage, an denen vieles gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangt. Selbstfürsorge bedeutet für mich deshalb nicht, dass das Leben plötzlich frei von Anforderungen wird. Sie zeigt sich vielmehr darin, wie ich mit diesen Anforderungen umgehe.
Ein wichtiger Teil meiner Selfcare besteht darin, mir regelmäßig Raum für Stille zu geben. Zeiten, in denen ich bewusst nichts leisten muss und in denen mein Geist die Möglichkeit bekommt, zur Ruhe zu kommen. Für mich sind Meditation und Momente des Innehaltens deshalb keine spirituelle Dekoration, sondern eine sehr konkrete Form der Selbstfürsorge. Sie helfen mir, wieder bei mir selbst anzukommen und wahrzunehmen, was in mir gerade wirklich lebendig ist.
Ebenso wichtig ist für mich Bewegung. Nicht als sportliche Disziplin oder als Leistungsziel, sondern als eine Form, wieder in Kontakt mit meinem Körper zu kommen. Da die meisten von uns zu viel sitzen, viel denken und viel organisieren, kann Bewegung eine erstaunlich einfache und gleichzeitig kraftvolle Möglichkeit sein, wieder in ein Gleichgewicht zu kommen.
Selfcare zeigt sich für mich aber auch in vielen kleinen Entscheidungen, die von außen kaum sichtbar sind. Zum Beispiel darin, wie ich meinen Kalender gestalte. Früher habe ich häufiger versucht, möglichst viel unterzubringen und möglichst viele Dinge gleichzeitig zu erledigen. Heute bin ich deutlich achtsamer damit geworden, wie viel Raum ich mir selbst lasse. Nicht jeder Termin muss angenommen werden, nicht jede Anfrage muss sofort beantwortet werden, und nicht jede Gelegenheit ist automatisch auch eine Verpflichtung.
Eine weitere Form von Selbstfürsorge besteht für mich darin, regelmäßig innezuhalten und mein eigenes Leben zu reflektieren. Passt das, was ich gerade tue, noch zu dem, was mir wirklich wichtig ist? Fühlt sich mein Alltag stimmig an oder bewege ich mich wieder in alte Muster hinein, in denen ich vor allem für andere funktioniere? Diese Fragen stelle ich mir immer wieder, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schnell man sich sonst wieder in einem Tempo wiederfindet, das eigentlich gar nicht zu einem passt.
Auch Gespräche spielen für mich eine wichtige Rolle. Ehrliche Gespräche mit Menschen, bei denen ich mich zeigen kann, ohne eine Rolle erfüllen zu müssen. Diese Form von Verbindung ist für mich eine sehr wesentliche Ressource, weil sie daran erinnert, dass wir unser Leben nicht alleine tragen müssen.
Wenn ich all diese Dinge zusammennehme, dann wird deutlich, dass Selfcare für mich kein einzelner Moment ist und auch kein besonderes Ereignis. Sie ist eher eine Art Grundhaltung, die sich durch viele kleine Entscheidungen zieht. Manchmal sind es bewusste Pausen, manchmal ein Spaziergang, manchmal ein Gespräch oder auch einfach die Entscheidung, etwas heute nicht zu tun.
Gerade weil Selbstfürsorge so unspektakulär sein kann, wird sie häufig unterschätzt. Doch ich habe immer wieder erlebt, dass genau diese kleinen Formen der Aufmerksamkeit langfristig einen großen Unterschied machen. Sie helfen mir, in Verbindung mit mir selbst zu bleiben und mein Leben nicht nur nach äußeren Anforderungen auszurichten, sondern nach dem, was sich für mich wirklich lebendig und stimmig anfühlt.
Selfcare in den Wechseljahren ist kein Ziel – sondern eine Haltung
Wenn ich heute über Selbstfürsorge nachdenke, dann sehe ich sie nicht als etwas, das man einmal erreicht und dann dauerhaft besitzt. Selfcare ist kein Zustand, den man irgendwann abhaken kann, und sie ist auch kein Projekt, das sich mit genügend Disziplin perfekt umsetzen lässt. Sie ist vielmehr eine Haltung, eine Art, mit sich selbst durchs Leben zu gehen.
Viele Menschen suchen nach der einen Methode, die endlich dafür sorgt, dass sie ausgeglichener, ruhiger oder zufriedener werden. Doch meiner Erfahrung nach liegt die eigentliche Veränderung nicht in einer bestimmten Technik, sondern in der Beziehung, die wir zu uns selbst entwickeln. Wenn ich lerne, mir selbst zuzuhören, meine Grenzen ernst zu nehmen und meine Bedürfnisse nicht mehr automatisch hinten anzustellen, dann verändert sich nach und nach auch die Art, wie ich mein Leben gestalte.
Diese Haltung zeigt sich oft in sehr unspektakulären Momenten. In der Entscheidung, eine Pause wirklich zuzulassen, statt sie nur schnell zu überbrücken. In der Bereitschaft, eine Einladung abzulehnen, wenn die eigene Energie gerade nicht ausreicht. In der Ehrlichkeit, sich einzugestehen, dass etwas im Leben nicht mehr stimmig ist. All diese kleinen Entscheidungen wirken von außen vielleicht unbedeutend, doch sie haben eine große Wirkung, weil sie die Beziehung zu uns selbst verändern.
Gerade Frauen, die lange Zeit sehr stark im Funktionieren waren, erleben diesen Prozess oft als eine Art Neuorientierung. Denn wenn man über viele Jahre gelernt hat, zuverlässig zu sein, Verantwortung zu tragen und für andere da zu sein, dann kann es ungewohnt sein, die eigene Perspektive stärker einzubeziehen. Doch genau hier beginnt eine neue Form von Freiheit: eine schrittweise Veränderung in der Art, wie wir uns selbst in diesem Leben sehen.
Selfcare bedeutet für mich deshalb auch, mir immer wieder die Frage zu stellen, wie ich mit mir selbst umgehen möchte. Möchte ich mein Leben weiterhin vor allem danach ausrichten, was von mir erwartet wird? Oder bin ich bereit, auch meine eigenen Bedürfnisse als wichtigen Teil dieser Gleichung zu betrachten?
Diese Frage lässt sich nicht ein für alle Mal beantworten. Sie taucht im Laufe des Lebens immer wieder auf, in unterschiedlichen Situationen und Lebensphasen. Doch genau darin liegt auch eine große Chance. Denn jedes Mal, wenn wir uns bewusst mit dieser Frage auseinandersetzen, entsteht die Möglichkeit, unser Leben ein Stück mehr in Einklang mit uns selbst zu bringen.
In diesem Sinne ist Selfcare kein fertiges Konzept und auch kein perfekter Lebensstil. Sie ist vielmehr eine Einladung, immer wieder neu in Beziehung zu sich selbst zu treten. Und vielleicht ist genau diese Haltung eine der wichtigsten Grundlagen dafür, dass wir unser Leben nicht nur bewältigen, sondern wirklich gestalten können.
Meine Frage an dich
Während ich über Selfcare schreibe, wird mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich dieser Begriff für jede von uns gefüllt ist. Was für die eine Frau eine wichtige Form von Selbstfürsorge ist, kann für eine andere vielleicht gar keine Rolle spielen. Manche finden Kraft in der Stille, andere im Austausch mit Menschen, wieder andere in Bewegung, Kreativität oder im bewussten Rückzug aus Situationen, die ihnen nicht guttun.
Genau deshalb finde ich diese Blogparade so spannend. Sie eröffnet einen Raum, in dem viele unterschiedliche Erfahrungen nebeneinanderstehen dürfen, ohne dass daraus eine allgemeingültige Anleitung entstehen muss. Denn Selfcare ist nichts, was sich einheitlich definieren lässt. Sie entsteht aus unserem eigenen Leben, aus unseren Erfahrungen, aus den Herausforderungen, die wir durchlebt haben, und aus den Erkenntnissen, die wir daraus gewonnen haben.
Mich interessiert deshalb vor allem deine persönliche Perspektive. Vielleicht hast du selbst eine Zeit erlebt, in der dir bewusst geworden ist, dass du dich selbst lange übergangen hast. Vielleicht hast du Wege gefunden, die dir helfen, im Alltag besser auf dich zu achten. Vielleicht bist du auch noch mitten in diesem Prozess und suchst nach einer Form von Selbstfürsorge, die wirklich zu dir passt.
Ebenso spannend finde ich die Geschichten darüber, wo Selfcare nicht funktioniert hat. Die Momente, in denen gut gemeinte Methoden nicht zum eigenen Leben gepasst haben oder in denen sich herausgestellt hat, dass frau eine ganz andere Art von Selbstfürsorge braucht, als sie zunächst gedacht hatte. Gerade diese Erfahrungen zeigen oft besonders deutlich, dass Selfcare kein festes Konzept ist, sondern ein sehr persönlicher Weg.
Wenn du möchtest, lade ich dich herzlich ein, deine Gedanken und Erfahrungen mit mir zu teilen.
Fazit
Wenn ich heute auf das Thema Selfcare schaue, dann erscheint es mir fast paradox, wie stark dieser Begriff gleichzeitig präsent und missverstanden ist. Auf der einen Seite wird ständig darüber gesprochen, auf der anderen Seite haben viele Frauen das Gefühl, dass das, was unter Selfcare verstanden wird, wenig mit ihrem wirklichen Leben zu tun hat. Zwischen perfekt inszenierten Morgenroutinen, Wellnessbildern und gut gemeinten Ratgeberlisten geht leicht verloren, worum es im Kern eigentlich geht.
Für mich ist Selfcare nichts Äußerliches. Sie ist kein schönes Ritual, das man gelegentlich in den Alltag einbaut, und sie ist auch keine Technik, die das Leben automatisch leichter macht. Sie beginnt viel grundlegender. In der Bereitschaft, sich selbst ernst zu nehmen. In der Entscheidung, die eigenen Bedürfnisse nicht dauerhaft zu übergehen. Und in der Ehrlichkeit, das eigene Leben immer wieder zu hinterfragen.
Gerade in den Wechseljahren erleben viele Frauen, dass diese Fragen plötzlich eine neue Bedeutung bekommen. Der Körper verändert sich, das eigene Energielevel verändert sich, und damit verändert sich auch die Bereitschaft, bestimmte Dinge einfach so weiterlaufen zu lassen wie bisher. Was lange selbstverständlich war, wird auf einmal sichtbar. Alte Rollen, alte Erwartungen, alte Muster stehen plötzlich zur Diskussion.
Ich erlebe diese Phase deshalb nicht nur als eine Herausforderung, sondern auch als eine besondere Chance. Denn sie eröffnet einen Raum für neue Entscheidungen. Einen Raum, in dem Frauen beginnen können, ihr Leben wieder stärker aus ihrer eigenen Perspektive zu betrachten. Nicht nur danach, was notwendig ist oder erwartet wird, sondern danach, was sich wirklich stimmig anfühlt.
Vielleicht liegt genau hier die eigentliche Kraft von Selfcare. Sie zwingt uns nicht, unser Leben komplett umzukrempeln, aber sie lädt uns ein, genauer hinzuschauen. Sie erinnert uns daran, dass wir selbst ein Teil unseres eigenen Lebens sind und dass unsere Bedürfnisse genauso zählen wie die Anforderungen, die von außen an uns herangetragen werden.
Und vielleicht beginnt echte Selbstfürsorge genau dort, wo wir aufhören, uns selbst immer wieder zu übergehen. Dort, wo wir anfangen, uns selbst zuzuhören, unsere Grenzen ernst zu nehmen und unser Leben Schritt für Schritt wieder näher an dem auszurichten, was für uns wirklich wichtig ist.
Nicht als perfektes Konzept und nicht als endgültige Lösung, sondern als eine lebendige Beziehung zu uns selbst, die sich mit uns weiterentwickelt. Genau darin liegt für mich die eigentliche Bedeutung von Selfcare.
