Tag 18 – Deine Frauenkraft

 

„You are amazing.“ Diese Worte auf dem Bild dieses Türchens sind keine leere Aufmunterung. Sie sind eine Erinnerung. Eine Erinnerung an etwas, das du vielleicht schon lange weißt, aber selten wirklich glaubst, wenn es um dich selbst geht.

Frauenkraft ist ein Wort, das schnell groß und abstrakt klingt. Aber ich meine damit etwas sehr Konkretes. Ich meine die Fähigkeit, nach Verlust wieder aufzustehen. Die Fähigkeit, für andere da zu sein, ohne sich selbst vollständig zu verlieren. Die stille Stärke, die entsteht, wenn eine Frau gelernt hat, sich selbst zu kennen. Die Klarheit, die kommt, wenn man aufgehört hat, sich zu verbiegen. Die Weisheit, die aus gelebter Erfahrung wächst und die keine Ausbildung der Welt ersetzen kann.

Diese Kraft ist nicht laut. Sie braucht keine Bühne. Und genau deshalb wird sie so oft übersehen, auch von den Frauen, die sie in sich tragen.

In den Wechseljahren verändert sich etwas sehr Grundlegendes in der Art, wie Frauen ihre eigene Kraft erleben. Die Energie, die jahrzehntelang nach außen geflossen ist, in Fürsorge, Leistung, Anpassung, beginnt sich umzukehren. Sie sucht ihren Weg nach innen. Und was sie dort findet, ist oft überraschend: eine Stärke, die schon immer da war, aber nie wirklich gesehen wurde, weil sie so selbstverständlich war wie das Atmen.

Es gibt dabei etwas, das ich immer wieder beobachte: Frauen fällt es oft leichter, die Stärken anderer zu benennen, als die eigenen. Wenn eine Freundin fragt, was sie an dir bewundert, kommen die Worte schnell. Wenn du selbst gefragt wirst, was deine Kraft ausmacht, zögert fast jede. Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer langen kulturellen Prägung, die Bescheidenheit über Selbstkenntnis gestellt hat.

Und gleichzeitig liegt in der Verbundenheit mit anderen Frauen eine eigene Form von Kraft. Das Gespräch, das eine Freundin mit dir führt, in dem sie dir zeigt, wie sie dich wirklich sieht. Der Moment, in dem zwei Frauen sich gegenseitig erkennen, ohne Konkurrenz, ohne Vergleich, einfach im echten Sehen. Diese Verbundenheit ist keine Schwäche. Sie ist eine der ältesten und kraftvollsten Ressourcen, die Frauen haben.

 

Deine Einladung für heute

Diese Einladung hat zwei Schritte.

Im ersten Schritt nimmst du dein Journal und schreibst auf, was deine ganz persönliche Frauenkraft ausmacht. Was hast du durchgestanden? Was hast du aufgebaut? Was kannst du, das nicht selbstverständlich ist? Lass die Worte kommen, ohne sie kleinzureden.

Und wenn dir der Zugang schwerfällt, wenn die innere Stimme sagt, dass da eigentlich nicht viel ist, dann darfst du heute eine Frau in deinem Leben fragen, wie sie dich sieht. Eine Freundin, eine Schwester, eine Kollegin, jemand, der dich kennt. Frage sie: Was siehst du in mir, das mich stark macht? Und dann höre wirklich zu, ohne abzuwinken, ohne zu relativieren.

Im zweiten Schritt denkst du an eine Frau in deinem Leben, deren Kraft dich berührt, die dich inspiriert oder die du einfach gerne öfter sehen magst. Und du schreibst ihr heute etwas. Eine Nachricht, einen Anruf, ein paar Worte, die sagen: Ich sehe dich. Ich sehe, wie stark du bist.

Frauenkraft wächst, wenn sie geteilt wird.

 

Dein Satz für heute

Ich bin stark auf eine Art, die die Welt braucht. Und ich darf das endlich glauben.