Tag 14 – Der Brief an dein jüngeres Ich

 

Es gibt ein Mädchen in dir, das noch immer da ist. Es wartet nicht im Verborgenen, es lauert nicht in der Vergangenheit. Es ist einfach ein Teil von dir, der irgendwann aufgehört hat, gehört zu werden. Der gelernt hat, sich anzupassen, zurückzuhalten, zu funktionieren. Der irgendwann so leise wurde, dass du seine Stimme kaum noch wahrgenommen hast.

In der Inneren-Kind-Arbeit begegnen wir diesem jüngeren Ich als einem Teil von uns, der Zuwendung verdient. Der gesehen werden möchte. Der vielleicht zum ersten Mal hören darf, was er damals so dringend gebraucht hätte.

Einen Brief an das jüngere Ich zu schreiben ist eine der berührendsten Übungen, die ich kenne. Sie öffnet etwas in uns, das lange geschlossen war. Plötzlich schauen wir auf uns selbst mit den Augen einer Frau, die versteht, was damals passiert ist. Die weiß, dass das Kind, das sie einmal war, sein Bestes gegeben hat. Die erkennt, wie viel Mut es gebraucht hat, einfach weiterzumachen.

Diese Perspektive verändert etwas Wesentliches. Sie macht es möglich, sich selbst zu vergeben, sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen und die alten Glaubenssätze und Muster als das zu sehen, was sie waren: die Überlebensstrategien eines Kindes, das nicht mehr gebraucht werden, weil du heute eine Frau bist, die sich selbst halten kann.

 

Deine Einladung für heute

Diese Einladung hat zwei Schritte, die du nacheinander gehst.

Im ersten Schritt schließt du die Augen und lässt ein Bild von dir entstehen, so wie du als jüngeres Mädchen warst. Frage dich innerlich: Welchem jüngeren Ich möchte ich heute schreiben? Lass das Alter kommen, ohne es zu erzwingen. Schau dieses jüngere Ich an. Wie sieht es aus? Wie hält es sich? Was liegt in seinem Gesicht?

Bleibe einen Moment bei diesem Bild. Und dann öffne die Augen.

Im zweiten Schritt nimmst du dein Journal und schreibst einen Brief. Du beginnst mit „Liebe…“ und dem Alter, das gekommen ist. Und dann schreibst du, was dieses jüngere Ich damals gebraucht hätte. Was du ihm sagen möchtest, jetzt, wo du weißt, wie die Geschichte weitergegangen ist. Was du ihm versprechen möchtest, für die Zeit, die noch kommt.

Lass die Worte kommen, ohne sie zu zensieren. Es gibt keinen richtigen oder falschen Brief. Es gibt nur deinen.

 

Dein Satz für heute

Das Mädchen, das ich einmal war, verdient meine Zuwendung. Und die Frau, die ich heute bin, ist stark genug, sie zu geben.