
Tag 12 – Ein Glaubenssatz, der gehen darf
Die Frau auf diesem Bild legt ihre Hand auf ihr Herz. Es ist eine kleine Geste, aber sie sagt viel. Sie sagt: Ich bin bei mir. Ich höre mir zu. Ich nehme mich ernst. Und genau diese Haltung brauchen wir heute, denn was wir uns heute anschauen, sitzt tief.
Glaubenssätze sind keine bewussten Entscheidungen. Sie entstehen früh, meist in der Kindheit, in Momenten, in denen wir eine Erfahrung gemacht haben, die unser junges Nervensystem als Wahrheit abgespeichert hat. Ein Kind, das für Fehler kritisiert wurde, lernt: Ich muss perfekt sein, um geliebt zu werden. Ein Kind, das seine Bedürfnisse zurückstellen musste, lernt: Meine Bedürfnisse sind weniger wichtig als die der anderen. Ein Kind, das Zuwendung vor allem dann bekam, wenn es funktioniert hat, lernt: Ich muss leisten, um wertvoll zu sein.
Einer der weitverbreitetsten und gleichzeitig schmerzhaftesten Glaubenssätze, dem ich bei Frauen immer wieder begegne, ist dieser: Ich bin nicht gut genug. Er sitzt unter so vielem. Unter dem Perfektionismus, der nie aufhört nachzubessern. Unter der Erschöpfung, die entsteht, wenn man sich jahrzehntelang beweisen muss. Unter der leisen inneren Stimme, die jeden Erfolg kleinredet und jeden Fehler vergrößert.
Was diese Glaubenssätze so hartnäckig macht, ist ihre Vertrautheit. Sie fühlen sich so selbstverständlich an, so sehr wie ein Teil von uns, dass wir sie kaum noch als Glaubenssatz erkennen. Wir halten sie für die Realität. Aber ein Glaubenssatz ist keine Realität. Er ist eine Interpretation, die irgendwann sehr sinnvoll war, weil sie uns geholfen hat, uns anzupassen, dazuzugehören, sicher zu sein. In den Wechseljahren, wenn so vieles in Bewegung gerät und das Leben uns einlädt, neu zu schauen, wer wir wirklich sind, ist es Zeit, diesen Preis nicht mehr zu zahlen.
Deine Einladung für heute
Diese Übung hat drei Schritte, die du nacheinander gehst.
Im ersten Schritt nimmst du dein Journal und schreibst den Glaubenssatz auf, der dich am längsten begleitet hat. Schreibe ihn so auf, wie er wirklich klingt, in deinen eigenen Worten. Und schreibe dann darunter: Wann habe ich das zum ersten Mal geglaubt? Und was hat mir dieser Glaubenssatz damals gegeben?
Im zweiten Schritt legst du deine Hand auf dein Herz, genau wie die Frau auf dem Bild. Atme tief ein und aus. Und dann sprichst du innerlich zu diesem Glaubenssatz, so als würdest du einem alten, erschöpften Teil von dir begegnen: Ich sehe dich. Ich verstehe, warum du da warst. Du hast mich beschützt, so gut du konntest. Und jetzt darf ich dich gehen lassen.
Nimm dir einen Moment, um wirklich zu spüren, was sich in deinem Körper verändert, wenn du das sagst.
Im dritten Schritt überlegst du dir einen neuen Glaubenssatz, einen, der sich für dich wahr und stimmig anfühlt. Einen, der sich anfühlt wie eine Heimkehr. Schreibe ihn auf. Und dann legst du noch einmal die Hand auf dein Herz, atmest tief ein und lässt diesen neuen Satz wirklich ankommen. Das ist der Moment, in dem ein neuer Glaubenssatz beginnt, Wurzeln zu schlagen.
Dein Satz für heute
Ich bin genug. Nicht irgendwann, nicht wenn ich mehr geleistet habe. Jetzt, genau so wie ich bin.
